
17. Okt. 2025
Tirana …
Etwas übernächtigt und gestresst vom Direktflug Hamburg-Tirana ließen wir es uns nicht nehmen, bei der Deutsch-Albanischen Schule für einen Besuch anzufragen. Die Kolleginnen vor Ort waren sehr nett und hilfsbereit und ermöglichten es uns, bei einer kleinen Rundführung die Schule kennenzulernen und mit Lehrkräften und Schüler:innen der 9. und 11. Klasse ins Gespräch zu kommen. Stolz präsentierten sie ihre Deutschkenntnisse und waren sichtlich erfreut, unsere Fragen beantworten zu können. Wunsch für eine mögliche Arbeit oder Ausbildung in Deutschland war zum Beispiel der Beruf KFZ-Mechatroniker bei bekannten Automobilfirmen, aber auch Studienwünsche in Richtung Ingenieurwesen oder Medizin. Uns hat der Besuch und der Austausch großen Spaß gemacht. Die Klassen waren auch interessiert an Jugendfilm-Projekten, um Kameratechnik, Grundlagen der Dramaturgie zu erlernen und im Team Deutsch zu sprechen. Wir bleiben also im Kontakt mit der Schulleitung und planen weitere Besuche bei deutschen Schulen im Ausland.

13. Sept. 2024
Abschiebung droht …
Einer meiner Schülerinnen, die ich nach der Schule in eine Ausbildung bei Edeka vermitteln konnte, droht jetzt die Abschiebung. Obwohl es hieß, eine Ausbildung in einem systemrelevanten Beruf könne helfen, eine Duldung zu bekommen. Es gibt viel Unterstützung, von Seiten der Schule, von Familienhelfern und Ausbildungsbegleitern, um der Schülerin beizustehen. Sogar der Betrieb hat in einem offiziellen Brief deutlich seinen Unmut kundgetan. Ob das alles helfen wird? Der Ausgang des Verfahrens ist ungewiss. Die Schülerin musste die Ausbildung abbrechen und wartet jetzt zu Hause auf das Ergebnis des Verfahrens.
Solche Fälle häufen sich, wenn ich mit Kollegen spreche. Lehrer und pädagogische Fachkräfte stehen immer wieder vor der schwierigen Aufgabe, weiterhin guten Unterricht zu machen, während gleichzeitig Schüler abgeschoben werden sollen. Das ist natürlich emotional belastend für die ganze Klasse und wirkt sich negativ auf die Lernmotivation aus. In Schulen wird viel Bindungs- und Aufbauarbeit geleistet, neben der Vermittlung von Fach- und Deutschkenntnissen. Wir tun viel, um Schüler im Arbeitsmarkt zu integrieren. Es werden unter Zeitdruck Ausbildungsplätze gesucht, viel Verständnis von Seiten der Betriebe eingeworben und man freut sich dann gemeinsam über den Erfolg. Dann heisst es: alles egal. Da macht sich dann Frust und Ärger breit, wenn das ganze Engagement nichts gebracht hat. Alles für die Katz?

8. Sept. 2024
Neulich auf der Straße …
Zufällig treffe ich nachmittags einen meinen ehemaligen Schüler auf der Straße. Er lädt mich spontan zu einem Kaffee ein. Dann erzählt er mir, dass er gerade seinen Job als Paketfahrer gekündigt hat und sich noch mal orientieren will. In seiner Heimat Syrien ist er nie zur Schule gegangen. Hier in Deutschland hat er mit guten Noten seinen ersten Schulabschluss geschafft. Mittlerweile hat er einen deutschen Pass, da er seit mehr fünf Jahren im Berufsleben steht und sein eigenes Geld verdient.
Jetzt sucht er eine Ausbildung als Zahntechniker und darüber seinen mittleren Schulabschluss zu erreichen. Für mich ist es spannend zu sehen, wie positiv sich der Schüler entwickelt hat und wie gut er mittlerweile die deutsche Sprache beherrscht. Zum Schluss hat er noch erzählt, wie schwer ihm der Abschied von der Schule gefallen ist und wie sehr er seine Lehrer und den Unterricht vermisst. Darüber habe ich mich sehr gefreut.
